Einleitung
Sie wissen, dass Ihr Unternehmen eine Fachkraft für Arbeitssicherheit braucht – aber wie stellen Sie die Betreuung am besten sicher? Grundsätzlich gibt es zwei Wege: Sie bilden eine eigene Mitarbeiterin oder einen eigenen Mitarbeiter zur SiFa aus, oder Sie beauftragen eine externe Fachkraft. Beide Modelle sind rechtlich gleichwertig. Wirtschaftlich und organisatorisch unterscheiden sie sich jedoch erheblich.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Lösung zu welcher Betriebsgröße passt – und worauf Sie bei der Auswahl eines externen Dienstleisters achten sollten.
Die eigene SiFa: hoher Aufwand, volle Nähe zum Betrieb
Eine interne Fachkraft für Arbeitssicherheit kennt den Betrieb, die Menschen und die Abläufe aus dem Alltag. Das ist ein echter Vorteil, besonders in größeren Betrieben mit komplexen Prozessen und hohem Gefährdungspotenzial.
Dem stehen allerdings erhebliche Investitionen gegenüber:
- Die SiFa-Ausbildung dauert berufsbegleitend deutlich über ein Jahr und bindet währenddessen Arbeitszeit.
- Ausbildungs- und Fortbildungskosten trägt der Betrieb – und seit der Neufassung der DGUV Vorschrift 2 im Jahr 2026 sind Fortbildungsnachweise verpflichtend zu dokumentieren.
- Die Einsatzzeiten müssen neben dem Tagesgeschäft zuverlässig freigehalten werden.
- Fällt die Person aus oder verlässt das Unternehmen, steht die Betreuung von heute auf morgen ohne Ersatz da.
Faustregel: Eine eigene SiFa rechnet sich meist erst, wenn der Betreuungsumfang so groß ist, dass er einen relevanten Teil einer Stelle füllt – also in größeren Unternehmen oder Betrieben mit besonderen Gefährdungen.
Die externe SiFa: planbare Kosten, sofort verfügbar
Die externe Betreuung ist für kleine und mittlere Unternehmen in den meisten Fällen die wirtschaftlichere Lösung:
- Keine Ausbildungskosten, keine Fortbildungspflichten, kein Ausfallrisiko – das trägt alles der Dienstleister.
- Planbare, transparente Kosten statt versteckter interner Aufwände.
- Erfahrung aus vielen Betrieben und Branchen: Eine externe SiFa bringt Lösungen mit, die sich anderswo bereits bewährt haben.
- Der Blick von außen deckt Betriebsblindheit auf – gerade bei eingespielten Abläufen ein unterschätzter Sicherheitsgewinn.
- Die Betreuung startet sofort, ohne monatelange Ausbildungsphase.
Seit 2026 darf zudem ein Teil der Betreuung digital stattfinden. Ein guter externer Dienstleister kombiniert Begehungen vor Ort mit effizienten digitalen Formaten – das senkt die Kosten, ohne die Qualität zu mindern.
Worauf Sie bei einer externen SiFa achten sollten
Nicht jedes Angebot am Markt hält, was es verspricht. Prüfen Sie vor der Beauftragung:
- Qualifikation: Liegt die abgeschlossene Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit vor? Werden Fortbildungen nachgewiesen?
- Erreichbarkeit: Haben Sie einen festen Ansprechpartner, der Ihren Betrieb kennt – oder nur eine Hotline?
- Praxisnähe: Kommt die Fachkraft tatsächlich in Ihren Betrieb, oder besteht die Betreuung nur aus Papier?
- Branchenkenntnis: Kennt der Dienstleister die typischen Gefährdungen und Vorschriften Ihrer Branche?
- Verständlichkeit: Bekommen Sie klare Handlungsempfehlungen statt unverständlicher Paragrafensammlungen?
Das Entscheidungsraster in Kurzform
Bis etwa 50 Beschäftigte: In fast allen Fällen ist die externe Betreuung die richtige Wahl. Der Betreuungsumfang ist zu klein, um eine eigene Ausbildung zu rechtfertigen.
Zwischen 50 und 250 Beschäftigten: Meist bleibt die externe Lösung wirtschaftlicher. Eine interne Teilzeitlösung kann sinnvoll sein, wenn besondere Gefährdungen dauerhaft hohe Präsenz erfordern.
Über 250 Beschäftigte oder Hochrisikobranchen: Hier lohnt sich die Prüfung einer eigenen SiFa – oft in Kombination mit externer Unterstützung für Spitzen und Spezialthemen.
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis
Nehmen wir einen Metallbaubetrieb mit 35 Beschäftigten. Für die interne Lösung fallen an: die SiFa-Ausbildung mit Lehrgangskosten und weit über hundert Stunden Arbeitszeit, danach laufend die vorgeschriebenen Einsatzzeiten, Fortbildungen mit Nachweispflicht und die Vertretungsfrage bei Urlaub, Krankheit oder Kündigung. Rechnet man Ausbildung, Arbeitszeit und Fortbildung zusammen, liegt allein das erste Jahr schnell im hohen vierstelligen bis fünfstelligen Bereich – bevor die erste Betreuungsstunde geleistet ist.
Die externe Betreuung desselben Betriebs kostet einen festen, kalkulierbaren Jahresbetrag, beginnt sofort und trägt kein Ausfallrisiko. Erst wenn der Betreuungsumfang dauerhaft so groß wird, dass er einen wesentlichen Teil einer Stelle füllt, kippt die Rechnung zugunsten der internen Lösung.
So läuft der Start mit einer externen SiFa ab
Der Einstieg ist unkompliziert und folgt einem bewährten Muster:
- Erstgespräch und Betriebsrundgang: Der Dienstleister lernt Betrieb, Tätigkeiten und Gefährdungen kennen.
- Ermittlung des Betreuungsumfangs nach DGUV Vorschrift 2 und schriftliches Angebot
- Schriftliche Bestellung als Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Bestandsaufnahme: Was liegt vor, was fehlt? Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungsnachweise, Prüffristen, Betriebsanweisungen
- Jahresplanung: Begehungstermine, Unterweisungen und wiederkehrende Aufgaben werden fest eingetaktet
Nach wenigen Wochen ist der Betrieb in einem geordneten Regelbetrieb – und Sie haben zu jedem Zeitpunkt den Nachweis, dass Ihre Arbeitsschutzorganisation steht.
Häufige Fragen
Kann ich extern starten und später auf eine eigene SiFa umstellen? Ja, problemlos. Viele wachsende Betriebe beginnen extern und bilden erst ab einer kritischen Größe intern aus – oft behält die externe Fachkraft dann eine ergänzende Rolle für Spezialthemen und Vertretung.
Bin ich mit einer externen SiFa aus der Verantwortung? Nein. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz bleibt beim Arbeitgeber – die externe Fachkraft sorgt aber dafür, dass Sie Ihre Pflichten kennen, priorisieren und nachweisbar erfüllen.
Wie schnell kann die Betreuung starten? In der Regel innerhalb weniger Wochen: Erstgespräch, Angebot, schriftliche Bestellung, Erstbegehung. Es gibt keinen Grund, das Thema auf das nächste Jahr zu verschieben.
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